The Book of Eli ist ein Film, der mich sehr zwiegespalten zurück gelassen hat. Kurz gesagt geht es um eine typische postapokalyptische Welt, die bereits soweit vom nicht näher spezifizierten Desaster weg ist, dass schon die erste Generation an "Nach-Apokalypse-Kindern" erwachsen ist, von denen viele gar nicht lesen und schreiben können und nicht mal mehr wissen, was eigentlich ein Fernseher ist. Nur wenige alte Menschen, die bereits vor der Apokalypse lebten sind noch übrig. Es wird eine Welt gezeigt, die randvoll aufgefüllt ist mit Vergewaltigung, Leid, Kanibalismus und der ständig präsenten Suche nach Wasser – Postapokalypse eben – bis hierhin nichts besonderes aber durchaus visuell und atmosphärisch vom Film transportiert.
Überhaupt kann man dem Film nichts vorwerfen wenn es um Action, Optik, Sound usw. geht. In Bezug darauf ist er wirklich gut gemacht und ein bis zwei Actionszenen haben wirklich Spaß gemacht, weil sie wunderbar auf dem Boden geblieben sind. Da ist die Szene mit dem alten Kanibalenehepaar zu nennen, die irgendwie seit 30+ Jahren in einem Haus umgeben von nichts aber mit einem unfassbaren Waffenarsenal featuring Granaten und Claymore Minen überlebt haben. So unlogisch vieles an diesem Pärchen doch war, so genial waren sie doch dargestellt und die Szenen um das Treffen mit diesem Freakpärchen sowie die anschließende Schießerei waren für mich die Highlights des ganzen Films, in dem man auch sieht wie viel Potential der Post Apokalyptische Hintergrund doch in sich birgt stimmungsvolle und abgefahrene Charaktere zu bieten.
Die eigentliche Handlung des Films dreht sich aber leider um die eventuell letzte vorhandene Bibel im Land. Diese befindet sich in der Obhut des Protagonisten Eli, gespielt von Denzel Washington, dessen Charakter irgendwo zwischen bärtigem schwarzen Priester und Rambo daherkommt. Viel eigenen Charakter hat der gute Mann nicht zu bieten – der mal abgesehen von seiner Gläubigkeit nur mit extremer kämpferischer imbarness daher kommt. Wie so häufig bei Antagonisten ist die eigentlich interessantere Figur der von Gary Oldman gespielte diktatorische Anführer einer Stadt in der Wüste, der seine Macht dem Wissen über die Position einiger Wasserquellen verdankt. Dieser ist offenbar schon seit vielen Jahren geradezu von der Idee besessen eine Bibel in seine Finger zu bekommen, da er der Meinung ist selbige sei die Waffe die es braucht seine Macht zu mehren. Die Worte, die in einer Bibel stehen besäßen seiner Meinung nach mehr Macht als alles was er sich je aus den Fingern saugen könne.
Ich weiß nicht recht was der Film von mir will. Einerseits glaube ich will er mir zeigen, dass das Christentum seinen Platz hat in der Welt und die Menschen unabhängig von der Welt und ihrer Gegebenheiten bewegen kann, dass die Bibel der Dreh und Angelpunkt der Welt ist, und der Schlüssel zu wahrer Zivilisation sowieso. Dabei wird Eli geradezu als wandelnder schwarzer Messias propagiert, dessen heilige Queste es ist das Buch nach Westen zu tragen zu einem Ort "an dem es gebraucht" wird. Und diese Queste kommt von niemand geringerem als Gott selbst. Offenbar soll es so aussehen als beschütze Gott seinen schwarzen Aushilfsmessias, weil Leute die ihn umbringen wollen immer scheitern und meistens einen durch Eli initiierten schnellen und schmucklosen tot sterben.
Und genau da liegt das Problem. Der Film möchte mir sagen, dass Gary Oldman’s Charakter die Bibel missbrauchen will um Macht zu erhalten, um Terror unter die Welt zu bringen und sie unter seiner Tyrannei zu knechten. Der Film möchte mir sagen, dass das falsch ist – bestraft den Tyrannen mit dem Verlust von allem was er besaß, inklusive seiner Würde. Aber anstatt den Hauptcharakter eine Antithese dazu darstellen zu lassen, rennt selbiger mordend durch das Ödland. Sicherlich ist es irgendwo gerechtfertigt, dass er sich wehrt wenn er attackiert wird – aber dennoch versucht er nicht seine Konflikte christlich gewaltlos zu lösen sondern hackt Leuten lieber Körperteile ab. Jesus würde entnervt den Kopf schütteln. Warum zeigt er nicht Gary Oldman die Bibel? Warum bringt er ihm nicht die christlichen Lehren näher – warum ist er nicht der Priester der er sein sollte in dieser "gottlosen" Stadt und bringt lieber alle wehrhaften Leute darin nach und nach um? Natürlich ist Gary Oldmans Charakter ein Arschloch sondergleichen, aber wo ist Eli’s unerschütterlicher Glaube den er einsetzen könnte die Welt zu verbessern, gleich dort in dieser Stadt. Aber nein, er muss ja nach Westen gehen mit der Bibel.
Wo ist da die Botschaft hin die der Film transportieren wollte? Alles was er tut ist mir bestätigen, dass Religion schon immer eine Ausrede für Gewalt, Leid, Krieg und Terror war und auch heute noch ist. Schlimmer noch, dass wenige auswählen, wer es verdient hat erlöst zu werden und wer nicht.
Und genauso ist es auch in der post-apokalyptischen Welt von Book of Eli. Wenn das die Botschaft wäre, die der Film transportieren wollen würde, wäre es ein rundum gelungener guter guter Film, weil das macht er ganz großartig. Aber er versucht nach wie vor diesen farblosen Hauptcharakter als Messias darzustellen, der am Ende wie ein buddhistischer Mönch in weißen Kleidern auf einem Sofa liegt und die Bibel rezitiert. Und zu allem Überdruss landet die Bibel am Ende neben den großen Büchern aller anderen Weltreligionen, mit rot gefärbten Seiten, als sei es durch und durch blutgetränkt, und endet zwischen den friedlich da stehenden, offenbar keinem Menschen ein Haar krümmenden anderen Büchern.
Anstatt diese Ambivalenz aufzugreifen wird auf gutem alten bodenständigen amerikanischen Basischristentum rum geritten. Und dabei erreicht der Film genau das Gegenteil von dem was er wollte – Zumindest bei allen, die weiter denken können als bis zum nächsten Baumstumpf.
Während man sieht wie die neue wiedererstellte Bibel in Kopien gedruckt wird denkt man unweigerlich: Arme Post-Apo Welt, als nächstes bekommt ihr die Inquisition. Man hört Gary Oldman’s Worte im eigenen Schädel widerhallen: "It’s not a book, it is a weapon." und man weiß, dass er damit Recht hatte.
Tags: film, kritik, review, test, The book of eli
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